Mein Eindruck von der Zeit in der Jugendfeuerwehr

Mein Name ist Sarah Staud, ich bin 17 Jahre alt und mittlerweile schon seit 5 Jahren in der Jugendfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr Griesheim, durch das Projekt „Feuerwehr als Schulunterricht“ aktiv.
Ich war bei dem ersten Jahrgang dabei, dieser die Testphase des Projektes „Jugendfeuerwehr als Schulunterricht“ in der 7 Klasse durchlief.
An einem Schultag gingen alle Schüler/-innen meines Jahrganges in die Aula und wir hörten uns von zwei Mitgliedern der Feuerwehr einen kleinen Vortrag an. Patrick, das war einer von ihnen, erzählte uns etwas über die Jugendfeuerwehr, was sie so macht und was sie mit uns vorhaben. Ich habe mir mit einigen Mitschülern überlegt, dass wir das mal ausprobieren sollten und dies haben wir dann auch getan.
Es war alles sehr neu für uns, da wir kaum eine genaue Vorstellung von der Jugendfeuerwehr hatten. Wir kamen in die Feuerwehr und lauter neue Gesichter, die uns alle herzlich begrüßt haben, entgegen. Letztendlich waren wir insgesamt 7 Schüler, die dieses Projekt starteten. Die Jugendfeuerwehr hatte, bevor wir gekommen sind, wenige Mitglieder, aber durch dieses Projekt sollte sich dies ändern.

Zwischen unserer Schule, der Georg-August-Zinn-Schule, gab es immer eine gute Zusammenarbeit. Die Verantwortliche für das Projekt war Frau Franks, in der Feuerwehr waren es Lucas und Patrick. Die drei standen ständig miteinander im Austausch.
Die Unterstützung von Frau Franks war sehr groß. Sie war sehr stolz auf unsere Leistungen in der Jugendfeuerwehr. Bei unseren vielen Aktionstagen (Wäldchestag, Großübungen, etc.) kam sie immer gerne vorbei uns sah sich alles ganz genau an. Wenn wir ihre Hilfe benötigten (wie zum Beispiel eine Schulbefreiung, weil eine Aktion mit der Jugendfeuerwehr und der Schulunterricht sich überschnitten hatten), stand sie uns immer beiseite und half uns wo es nur ging.

Patrick ist immer für uns da, das war er auch von Anfang an – genauso wie Lukas. Man kann mit allen Angelegenheiten zu Patrick gehen, auch wenn diese mal nichts mit der Feuerwehr zu tun hat. Patrick kann ein lockerer Mensch sein, man kann mit ihm Spaß haben, aber trotz all dem bewahrt er seine Autorität uns gegenüber. Sobald es nötig ist, kann er in verschiedenen Situationen durchgreifen und streng sein, was auch dazugehört, da ich mir sehr gut vorstellen kann, dass eine Gruppe von Jugendlichen sehr anstrengend sein kann. Das haben Patrick und Lucas aber schon immer gut gemeistert, die beiden können sehr gut mit uns umgehen.
Sobald Probleme unter uns entstanden, waren Patrick und Lucas stets bemüht, diese Streitigkeiten zu schlichten. Selbst die kleinsten Kleinigkeiten wurden mit ihrer Hilfe aus dem Weg geschafft. Das förderte unser Gruppendenken ungemein.

Wir waren alle in diesem Schuljahr gut zusammengewachsen und hatten einen starken Zusammenhalt. Diesen Zusammenhalt hat man auch in der Schule deutlich gemerkt, indem wir uns dort auch gegenseitig unterstützt haben. Im nächsten Jahr kamen neue Schüler dazu und diese haben sich sehr schnell in unsere Gruppe integriert. Man hat gemerkt, dass wir keine kleinen Gruppen hatten, sondern eine große Gruppe waren, die alles gemeinsam gemacht hat.
Dieses Projekt zeigte uns allen, was die Jugendfeuerwehr alles bringen kann. Es kann viele unterschiedliche Menschen zu einer Gruppe zusammenbringen, sodass man sich untereinander unterstützt und gemeinsam an einen Strang zieht. Ein guter Zusammenhalt kann einem so viel Kraft spenden, wenn man etwas alleine nicht schafft. Genau das wird in der Jugendfeuerwehr gelernt: Zusammenhalt. Gelernt haben wir das ganz besonders bei den vielen gemeinsamen Übungen, die IMG_3757wir in unserer Zeit bei der Jugendfeuerwehr gemeinsam gemeistert haben. Durch die gemeinsamen Übungen muss man lernen, aufeinander zu vertrauen und aufeinander zu achten. Unsere Betreuer fuhren mit uns auf Freizeiten, veranstalteten Spieleabende und planten gemeinsame Unternehmungen – das hat uns zu einer starken Gruppe gemacht.

Für unsere Präsentationsprüfung, die wir im Zuge der Hauptschulprüfung ablegen mussten, entschieden wir uns für das Thema „Brennen und Löschen“. Lucas und Patrick (unsere Betreuer) unterstützten uns dabei sehr. Die beiden haben sich mit uns mehrfach getroffen und sind alles durchgegangen, sodass wir dank ihnen klasse vorbereitet waren. An unserem großen Tag kamen Lucas und Patrick dann mit kompletter Ausrüstung und Zusatzmaterial in die Schule und waren bei unserer Präsentation dabei.

Es gab viele Highlights für mich während meiner bisherigen Zeit bei der Jugendfeuerwehr.
Eines der Highlights war Saarbrücken. In Saarbrücken besuchten wir eine andere Freiwillige Feuerwehr, die ihr Jubiläum feierte. Dort schliefen wir gemeinsam in der Feuerwache und verbrachten ein schönes Wochenende miteinander.
Dann gab es da noch die mehrtägige Freizeit an der Edertalsperre. Dort haben wir gezeltet und haben viele Aktivitäten gemacht, unter anderem eine Stadtbesichtigung, Tretbootfahrten, Wanderungen und ein Besuch der Sommerrodelbahn.
Unsere 24-Stunden-Übungen gehören seit zwei Jahren fest zu unserem Programm und sind für unsere Gruppe Highlights. Während dieser Stunden befinden wir uns in der Feuerwache, werden alle paar Stunden alarmiert und durchspielen dann verschiedene Klein-/ und Großübungen.

Die Leistungsspanne haben wir schon zwei Mal durchlaufen. In der Leistungsspanne müssen viele Jugendfeuerwehrgruppen verschiedene Disziplinen erfüllen. Auf diese Disziplinen (wie Kugelstoßen, Staffellauf, etc.) wurden wir sehr gut und lange vorbereitet. Zu den Vorbereitungen zählten viele Trainingseinheiten, die wir mit Jugendfeuerwehrmitgliedern von anderen Orten absolviert haben – gemeinsam sind wir auch zur Leistungsspanne angetreten, um unser Abzeichen zu erhalten.

Ich war zwei Jahre lang Jugendgruppensprecherin in der Jugendfeuerwehr. Deshalb hatte ich die Chance, an den Jufos teilzunehmen, die zweimal im Jahr stattfanden. In den Jufos (Jugendforum der Jugendfeuerwehr in Frankfurt am Main) treffen sich alle Jugendgruppensprecher und deren Vertreter, um gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten.

In der Feuerwehr hatte ich die Möglichkeit, mich und meine persönlichen Stärken besser kennen zu lernen. Das bringt mir heute sehr viel, da ich mich selbst nun besser kenne.

Was ich an der Jugendfeuerwehr ändern würde, wäre die Art und Weise, wie unser Wissen abgefragt wird. Es wäre schön, wenn die Leistungsnachweise anders gestaltet werden würden. Zum Beispiel in Form von Präsentationen oder vorabangekündigten Klausuren, auf die man sich auch außerhalb des Unterrichtes vorbereiten kann. Dies erscheint mir als sehr effektiv, da man so einen Zeitraum schafft, an dem man sich das Wissen aneignen kann, sodass man es sich noch besser einprägen kann. Das Präsentieren eines Themas zeigt vor allem, dass man das Thema verstanden und verinnerlicht hat.

Das Projekt „Feuerwehr als Schulunterricht“ ist in meinen Augen sehr empfehlenswert. Wenn es ginge, würde ich mir sehr wünschen, dass mehrere Schulen solche Angebote anbieten würden. Gerade weil die Jugendfeuerwehren immer auf der Suche nach „Nachwuchs“ sind. Und wer weiß, vielleicht findet man auf diese Art und Weise Jugendliche, die sich wirklich dafür interessieren, von sich selbst aus aber niemals diesen Schritt gehen würden.
Dieses Projekt, das bei uns gestartet wurde und was mittlerweile ein fester Bestandteil des Schulunterrichts ist, stellt einfach den Beweis dar, dass es möglich ist. Es ist möglich, eine Kooperation zwischen Schule und Feuerwehr herzustellen, um auch den Zuwachs an Nachkömmlingen in der Feuerwehr zu sichern.

Mittlerweile ist schon einer unserer Mitschüler von der Georg-August-Zinn-Schule in die Einsatzabteilung übergangen. Er nahm zwar nicht am Unterricht teil, jedoch hörte er viel über die Feuerwehr durch unsere Erzählungen und bekam von unserer Begeisterung viel mit und hat sich daraufhin bei der Feuerwehr angemeldet.