Blaulicht und Blessuren

Quelle: FNP vom 12.09.2012

Drei Jugendfeuerwehren, fünf Einsatzfahrzeuge und jede Menge
Rauch: Gemeinsam probten die Jugendfeuerwehren von Nied,
Sindlingen und Griesheim den Ernstfall an der Boehleschule.

Griesheim. 
Unüberhörbar laut und schrill dringt die Sirene der Boehleschule über den
Pausenhof und die angrenzenden Straßen – Feueralarm! Ein paar Passanten
bleiben stehen und blicken skeptisch auf das Schulgelände. Aus mehreren
Fenstern im ersten Stock dringen dicke, graue Rauchschwaden. Plötzlich
taucht das Gesicht eines Jugendlichen am Fenster auf. „Hilfe, Hilfe“, schallt
es über den Pausenhof.
Ein Blick über die Straße lässt die erste Aufregung jedoch schnell weichen.
Beim Blick auf die entspannten Gesichter der Feuerwehrleute in der Einfahrt
der Griesheimer Feuerwache macht deutlich, dass es sich lediglich um eine
Übung handeln kann.
Enormer Aufwand
Die allerdings ist alles andere als alltäglich. Zwar probt die Griesheimer
Jugendfeuerwehr fast wöchentlich kleinere Einsätze und Einzelfall-Szenarien,
eine Großübung wie die an der Boehleschule ist aber auch für sie etwas
besonderes. Und für Patrick Cieszynski ist die Übung in der Grundschule
zudem seine Premiere als Jugendwart. Der Aufwand ist enorm. „Wir haben
im ersten Obergeschoss eine Nebelmaschine aufgestellt, um die
Rauchentwicklung im Brandfall zu simulieren. Beteiligt sind neben der
Griesheimer Jugendfeuerwehr auch die Jugendwehren aus Nied und
Sindlingen“, sagt Cieszynski. Jugendliche mit aufgeschminkten Verletzungen
simulieren vom Rauch eingeschlossene Personen, die von den Einsatzkräften
aus dem Gebäude gerettet werden müssen.
Gute Zusammenarbeit
Insgesamt tummeln sich während der Übung auf dem Schulhof und im
Schulgebäude rund 30 Nachwuchs-Brandbekämpfer, angerückt mit drei
großen Löschfahrzeugen und zwei kleinen Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr.
„Die Zusammenarbeit zwischen den Jugendfeuerwehren der Stadtteile
funktioniert richtig gut“, lobt Cieszynski.
Das zeigt sich auch kurz vor der Übung, als ungeplante Schwierigkeiten bei
den Griesheimern den Beginn des Probe-Einsatzes verzögern. „Bei unserem
Löschfahrzeug haben wir ein Problem mit der Druckluftversorgung. Da auch
die Bremsen an diesem System hängen, will ich die Jugendlichen nicht mit
dem Fahrzeug losschicken“, sagt der Jugendwart. Zwei Telefonate später ist
ein Ersatzfahrzeug aus Schwanheim organisiert, und die Übung kann wie
geplant beginnen. Das gute an der Verzögerung: So war noch mehr Zeit, die
zehn Jugendlichen, die sich als Verletzte schminken und später aus den
verrauchten Räumen retten ließen, so realistisch wie möglich herzurichten.
Mit Kunstblut, Theaterschminke und Weichplaste verzierte Dagmar Lorz aus
Nied das Gesicht des elfjährigen Bilal, der seit einem Jahr Mitglied der
Jugendfeuerwehr ist. Bei dieser Übung den Verletzten zu spielen und keine
Schläuche ausrollen zu dürfen, fand er in Ordnung: „Das ist okay für mich.
Das macht auch Spaß.“
Spaß sollte die Übung den Jugendlichen auch machen, erklärt Cieszynski.
Außerdem komme es vor allem darauf an, einzelne Abläufe so realistisch wie
möglich zu gestalten, erklärt Cieszynski: „Die Jugendlichen sollen ein Gefühl
dafür bekommen, wie es ist, mit Blaulicht und Sirene zu einem Einsatzort zu
fahren und dort dann mit erhöhtem Adrenalinspiegel mit der Arbeit zu
beginnen.“ (göc)
Artikel vom 12. September 2012, 03.22 Uhr (letzte Änderung 12. September 2012, 05.01 Uhr)